Wir können nicht über alles Bescheid wissen. Doch ist der Segen durch den Leib Christi die Begegnung mit so sehr unterschiedlichen Menschen, mit denen wir zusammengestellt sind - und die Klarheit, die diese Begegnung uns bringt, WENN wir uns nicht entgegen Gottes Willen einander entziehen. Leider passiert das viel zu selten, so dass Irrtümer (die also Leben im anderen nicht fördern und stattdessen Barrikaden aufrichten) bleiben können. Die Tatsache, dass du bereit bist, diese Zeilen zu lesen und meinen Erfahrungen zuzuhören, ist ein wunderschöner Schritt da heraus. Folgenden Irrtümern begegne ich häufig. 

Selbstannnahme-schwul

Tja, ich soll nicht schwul sein, aber ich bin es. Und was
mache ich jetzt damit? (Die haben leicht reden, die
sagen, ich solle halt normal sein!)

- Bild aus meiner Leidenszeit -

1. Homosexualität ist eine freie Wahl und Entscheidung

Man nimmt dies an und folgert: Man bräuchte sich nur dagegen entscheiden, und alles wäre gut. Doch warum sollte jemand sich zu diesem Weg entscheiden? 

  • Würde jemand wählen, sich in die Lage zu begeben, von Gott abgelehnt zu sein (da die meisten so gelehrt sind, dass Homosexualität Sünde ist)? 
  • Würde jemand die Perspektive wählen, von seinen Glaubensgeschwistern entweder abgelehnt oder zumindest unter dem Vorbehalt betrachtet zu werden, jemand zu sein, bei dem etwas mit seinem Glauben und Leben eben nicht stimmt? Gerade dann, wenn ihm der Glaube und die Gemeinschaft wichtig sind? Und dies bis zur Unsicherheit, sogar von Eltern und Verwandten abgelehnt zu werden, gerade dann, wenn diese gläubig sind. Bis heute werden gläubige Homosexuelle von ihren gläubigen Eltern vor die Tür gesetzt, enterbt, jeder familiären Gemeinschaft beraubt, und es entsteht riesiges Leid. Oder man lebt in Heimlichkeit, indem man jahre- und jahrzehntelang nicht man selber ist oder zumindest eine Maske trägt (weil die Alternative dazu zu schmerzhaft wäre) und sein Leben nach dieser Maske ausrichtet. 
  • Würde jemand wählen, anders zu sein als alle um ihn herum? - So gerne passen wir als Menschen mit unserer Umgebung unkompliziert zusammen und leben in der gleichen Lebenswirklichkeit wie die anderen, werden in unseren Problemen und in unseren Antworten von anderen verstanden. Der homosexuelle Mensch kommt nicht umhin, vieles ganz für sich allein zu erkämpfen. 
  • Würde jemand wählen, seine Sexualität (welche die meisten als Schöpfungsgeschenk Gottes verstehen) niemals als Segen erfahren zu können, da nach der allgemein verbreiteten Lehre die einzige von ihm wirklich begehrte Form der Sexualität Sünde ist? 

Aus welchem Grund auch immer: Fast alle erfahren es so, dass sie sich mit ihren homosexuellen Gefühlen und Wahrnehmungen vorfinden, diese nie wählten, meistens auch eher bestürzt darüber als zufrieden damit sind und dann einen Prozess der Selbstannahme durchgehen müssen. Meistens alleine, ohne die Hilfe von Gläubigen, die ihnen zusprechen könnten: "Jesus liebt dich, als der, der du bist!" Frage einfach solche, die es betrifft, wie es ihnen ging, und du wirst das Herz des anderen ein Stück mehr verstanden haben.

2. Homosexualität ist keine Veranlagung, sondern eine Tat

Diese Sicht stammt aus dem Lesen der auf Homosexualität gedeuteten Bibelstellen, von denen viele (wie sehr eindeutig die Geschichte von Sodom und Gomorrah, aber auch die in Röm 1 beschriebenen Entartungen reicher römischer Männer, die sich nach dem Schlemmen einen Jungen servieren ließen) tatsächlich die homosexuellen Handlungen heterosexueller Männer beschreiben. Worüber die Schrift nur verdeckt spricht (siehe dazu an anderer Stelle) und daher notwendig macht, dass wir einander zuhören und auf diese Weise einander lieben, ist das Wesen eines homosexuell (oder bisexuell) empfindenden Menschen, der in sich keinerlei heterosexuelle Neigung verspürt. Ich selbst lebte jahrzehntelang ohne meine Sexualität irgendwie zu praktizieren - und doch war mein inneres Bedürfnis ausschließlich auf Männer ausgerichtet. Dass es dieses innere Bedürfnis einfach gibt, müssen wir nun mal stehenlassen, auch unabhängig von der Frage, woher das kommt und was damit zu tun ist.

Jesus-Glaube-Selbstannahme

Dass Jesus zu mir sagte: DU! Und mich meinte, als der ich bin,
dies war meine wirkliche Veränderung. Allerdings nicht zur
Heterosexualität, sondern zu einem Sohn Gottes, welcher der ist,
der er ist - so wie Gott sagte: "Ich bin, der ich bin."

3. Homosexualität ist veränderbar

Ich will diesem Thema noch eine eigene Seite widmen, doch so viel vorweg: Ich habe diese Veränderung lange gesucht und ergriffen, was es an Therapiemöglichkeiten gab. Dabei bin ich auch vielen anderen begegnet, die diese Veränderung suchten. Es soll diese Art von Veränderung geben, doch ich erinnere mich tatsächlich an keinen einzigen, der seine Homosexualität los geworden wäre und mit der gleichen Freunde und auch gottgegebenen Lust das weibliche Geschlecht und schließlich seine Ehefrau begehren konnte, wie dies ein Heterosexueller tut - und zwar ohne dass die ursprüngliche Neigung sich wieder meldet. Andere liebe Freunde ringen bis heute seit Jahren oder Jahrzehnten um Veränderung, weil sie sich in dem, was sie sind, nicht annehmen können, und zerrütten sich selbst, ohne je wirkliche partnerschaftliche Liebe mit allem, was dazu gehört, erfahren zu können. Weil die "christliche Lehre" es so will. 

An die besonders seit den 1980er Jahren oft leichtfüßig proklamierte Veränderbarkeit von Homosexualität glaubt heute kaum noch jemand. Die meisten der früher herumgereichten Musterbeispiele für "war früher schwul und lebt jetzt in glücklicher Ehe" haben sich inzwischen als nichtig offenbart. Viele sind nach Jahren des sich dann immer stärker meldenden homosexuellen Begehrens irgendwann ehrlich geworden und sind dann auch dahin durchgedrungen, sich als das anzunehmen, was sie sind. Ein besonders prominentes Beispiel ist Alan Chambers, der Leiter von Exodus International, der früheren amerikanischen Dachorganisation von Werken, die für die Veränderung von Homosexualität arbeiteten: Er hat die Organisation aufgelöst mit der Bitte um Entschuldigung für allen Schaden, den durch diese Richtung ihrer Arbeit im Leben von Menschen angerichtet worden ist. Andere, die an der Veränderung von Homosexualität gearbeitet haben, sind nüchterner geworden, sprechen nicht mehr von "Heilung", sondern schließen sich zusammen in Gemeinschaften, um sich auf dem nicht einfachen Weg zu stützen, die nach wie vor vorhandene Homosexualität nicht auszuleben, ohne sie gleichzeitig zu verdrängen (siehe Bruderschaft des Weges).